von christian vagedes* // die zeiten ändern sich. die veganisierung der welt kommt. entgegen allen jenen, die noch nie in der geschichte denen »geglaubt« haben, die frühzeitig auf das unvermeidliche hingewiesen haben.

eine studie des »stockholm international water institute« zeigt klar auf, dass zur ernährung von über 7 milliarden menschen nicht einmal das wasser noch dazu ausreichen würde, so viel futtermittel auf den ackerflächen anzubauen, wie nötig wären, um die menschen mit tierprodukten zu ernähren.

der darüber berichtende »spiegel« ergänzt, dass wir unseren planeten, die erde, um das jahr 2050 gleich drei mal bräuchten, wenn wir unseren ressourcenverbrauch so wie bisher weiterführten. was erst, wenn wir ihn weiter steigern würden? im moment steigern wir ihn gewaltig.

es bestätigt sich im grunde jetzt, was ich in meinem buch »veg up. die vegansierung der welt« beschrieb: im moment machen die schwellenländer unseren westlichen standardkonsum von nichtveganen produkten nach. und genau das ist für die lebenssphäre der erde nicht zu verkraften.

diese überforderung kann unser planet nicht aushalten. genau aus diesem grund kommt es nun darauf an, dass wir im westen unsere kulturelle verantwortung für das weltganze auch in sachen ernährung erkennen. wir sind noch immer vorbild für menschen in schwellenländern. sie orientieren den konsum ihrer wachsenden volkswirtschaften an unserem. nichtvegane produkte gelten als statussymbole.

je stärker wir daher unsere gesellschaften nun veganisieren, um so schneller könnte der nachahmeffekt in den schwellenländern greifen und auch die neuen veganisierungstendenzen würden zum vorbild werden.
allerdings wird jetzt eines immer deutlicher: ein bisschen weniger fleisch, ein bisschen flexitarisch oder vegetarisch ist sicher besser als nichts und jeder von einem einzelnen menschen entsprechend vollzogene schritt ist auch begrüßenswert – ein politisches programm sollte man daraus allerdings im 21. jahrhundert nicht mehr machen. das kommt 100 jahre zu spät und war schon damals halbherzig und zu wenig durchdacht. angesichts der steigenden weltbevölkerung und ihres noch immer anwachsenden hungers nach fleisch, fisch, tiermilchprodukten und eiern erfordert die situation der welt deutlich mehr mut, als sich in konservativer vegetarierromantik scheinlösungen zu erträumen.

wir brauchen jetzt den mut zur veganen ernährungswende. die erste grundlage hierzu ist die einsicht darin, dass wir aus dem dilemma nur noch herauskommen, wenn wir tatsächliche veganisierungstendenzen stärken. auch aus eigenem interesse heraus. nur unsere vorbildfunktion kann die bestehende weltweite »fleischaufrüstung« aufhalten.

politiker, manager, schauspieler, sportler, künstler und andere öffentliche persönlichkeiten sind dazu aufgerufen auch innerhalb unserer gesellschaft mit vorbild voranzugehen und sich selbstbewusst für einen veganen lebensstil zu entscheiden. ich weiß mittlerweile, dass es schon jetzt viel mehr vegan lebende menschen unter ihnen gibt, als die meisten es vermuten würden. ein positives, freiwilliges veganes »coming out« wäre hilfreich, um noch mehr menschen für die vegane idee begeistern zu können.

viele menschen pflegen bereits mit begeisterung einen veganen lebensstil. die allermeisten empfinden ihn nicht als verzicht, sondern als bereicherung. sie entdecken durch ihren lebenswechsel ein neues verhältnis zu tieren, mehr lebensfreude, eine bessere gesundheitliche verfassung und neue kulinarische erlebnisse, außerdem ein gutes gefühl dafür, die biosphäre in vielen einzelnen aspekten zu entlasten: den regenwald, das trinkwasser, die böden.

die zweite grundlage ist die revolution in der lebensmittelherstellung. sie steht aber bereits vor den toren. denn allein schon mit den vom fraunhofer institut entwickelten patent für islolierte vegane proteine aus blauen süßlupinen können wir die gesamte heutige nichtvegane produktpalette schritt für schritt veganisieren. ohne geschmacks- oder nährwertverlust, im gegenteil mit vielen benefits verbunden. das alles mag kühn klingen und vielleicht übertrieben für diejenigen, die sich mit dem thema noch nicht auseinandergesetzt haben. doch neben der wasserfrage gibt es zahlreiche weitere gründe, die eine fortführung des bisherigen konsums unmöglich machen, die veganisierung der welt aber um so notwendiger erscheinen lassen.

die veganisierung der welt ist keine sache des glaubens, sondern des wissens.

* christian vagedes ist gründer und erster vorsitzender der veganen gesellschaft deutschland e.v. und autor des buches: veg up. die veganisierung der welt. (im buchhandel oder im shop der veganen gesellschaft deutschland)